„Die Kritik von UEFA und DFB ist absolut nachvollziehbar. Die FIFA darf die Weltmeisterschaft nicht immer weiter zu einem Geschäftsmodell für Investoren entwickeln. Der Fußball lebt von seiner Glaubwürdigkeit und seinen Fans, nicht von immer neuen Vermarktungsideen. Wer zentrale Entscheidungen ohne Transparenz und ohne die Verbände trifft, verspielt Vertrauen. Die FIFA sollte diesen Kurs überdenken und gemeinsam mit den Mitgliedsverbänden nach Lösungen suchen, statt vollendete Tatsachen zu schaffen.
Seit Jahren entsteht der Eindruck, dass Gianni Infantino die FIFA zunehmend wie einen globalen Wirtschaftskonzern führt: immer größere Turniere, immer neue Vermarktungsmodelle und nun sogar Überlegungen, kommerzielle Anteile an der Weltmeisterschaft an Investoren zu verkaufen.
Nach einer Weltmeisterschaft, bei der der Eindruck entstanden ist, dass sich die FIFA den politischen Interessen des Gastgeberlandes allzu bereitwillig geöffnet hat, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Stattdessen folgt mit den Investorenplänen der nächste Schritt in Richtung weiterer Kommerzialisierung. Auch die Planungen für die Jubiläums-WM 2030 auf drei Kontinenten vermitteln den Eindruck, dass Vermarktung und Symbolpolitik wichtiger geworden sind als sportliche Vernunft, Nachhaltigkeit und die Interessen von Spielern und Fans. Das ist das falsche Signal.
Wer den Fußball immer weiter kommerzialisiert, riskiert am Ende genau das, was seinen Wert überhaupt erst ausmacht: Glaubwürdigkeit, Fairness und die Identifikation der Fans.
Der Fußball lebt von den Menschen, die ihn tragen: von den Fans auf den Rängen, den Spielerinnen und Spielern auf dem Platz und den Ehrenamtlichen in den Vereinen. An ihren Interessen muss sich die FIFA orientieren und nicht an der Frage, wie sich das nächste Geschäftsmodell erschließen lässt.“

